Sonntag, 13. Februar 2011

Tag 2 bei den Shorts: Publicity & Wiedersehen


Am zweiten Tag unserer Erlebnisse bei der Berlinale und den Kurzfilmen der Sektion haben wir neben Brian Harrys Krinsky, Kazik Radwanski, Dan Montgomery und Paul Negoescu auch einige andere Filmemacher wiedergetroffen, die uns in nunmehr vier Jahren Berlinale schon häufiger über den Weg gelaufen sind. Die meisten von ihnen haben sogar in den vergangenen Ausgaben unserer Dokureihe ihre Auftritte gehabt, was das Wiedertreffen umso herzlicher machte. Gerade im Bereich der Kurzfilme scheint es keine Seltenheit zu sein, auch dann wieder vorbeizuschauen und sich mittendrin zu fühlen, wenn man selber gar nicht mehr nominiert wurde. "Man sitzt schon etwas wehmütig im Kino, ist aber zugleich auch viel entspannter.", gestand uns der 2011 erstmals nach drei Jahren nicht mehr im Programm vertretene Regisseur Paul Negoescu.

Grippe- und Terminbedingt mussten wir einige der Pressescreenings der Shorts ausfallen lassen, gemeinsam hat unser Team es nach Block I vorerst nur noch zum Programm IV geschafft, dem wir hier nun noch ein paar Kurzkritiken widmen wollen.

Short Verdict - Die Kurzfilme in unserer Kurzkritik:

Fragen an meinen Vater | Questions to my Father | Fragen an meinen Vater von Konrad Mühe aus Deutschland


Ein sehr berührender Found-Footage-Film vom Sohn des verstorbenen Schauspielers Ulrich Mühe (Das Leben der Anderen). Konrad Mühe gibt anhand von Zusammenschnitten zahlreicher Einstellungen aus unterschiedlichen Filmen seines Vaters Einblicke in seine Gedankenwelt rund um die offensichtlich allzu distanzierte Beziehung zwischen den beiden zu Lebzeiten Ulrich Mühes. Das Ergebnis dieser Flickenarbeit ist alleine deswegen schon sehr faszinierend, da man das Gefühl bekommt, all die unterschiedlichen Rollen des Vaters würden die Fragmente der echten Person dahinter darstellen, die in der Kombination dieses Films auf Fragen antworten können, welche der Sohn offenbar zuvor nicht beantwortet bekam. - Wobei all das nun auch nur unsere Gedankenkonstrukte als Zuschauer sind, ohne (zum jetzigen Zeitpunkt) mit Konrad Mühe persönlich über die wahren Hintergründe gesprochen zu haben.


Apele Tac | Silent River | Stille Wasser von Anca Miruna Lazarescu aus Rumänien


Zwei Rumänen planen im Jahre 1986 die Flucht durch Jugoslawien bis nach Deutschland. Ein lebensgefährliches Vorhaben, nicht nur weil an der Grenze mit scharfer Munition geschossen wird. Neben einer Kontrollstation wartet auch noch die Donau als Hindernis auf die beiden, denn der Weg ins erhoffte bessere Leben muss zwischenzeitlich schwimmend fortgesetzt werden. Das ohnehin schon riskante Unterfangen wird noch einmal erschwert, da einer der Männer seine schwangere Frau um keinen Preis der Welt zurücklassen wollte. Silent River ist ein Flüchtlingsdrama voller Spannung und sehr natürlich wirkender Inszenierung, die gerade in den Wasserszenen jede Menge Budget und Aufwand hinter der Kamera erahnen lässt. Wenn man den Drehbuchstoff in ähnlicher Form nicht schon so häufig gesehen hätte, wäre der Film auch in diesem Bereich ohne jeden Makel gewesen.

Planet Z | Planet Z | Planet Z von Momoko Seto aus Frankreich

Bei den Berlinale Shorts gammelt es, aber auch nur dank Planet Z! Der Film erweckt den Eindruck einer Mischung aus Stop-Motion-Szenen und komplett Computergenerierten Bildern, wobei man sich aufgrund der optischen Brillanz nie ganz sicher sein kann, was echt ist und was aus dem Rechner kommt. Entsprechend fasziniert Planet Z bis zum Schluss mit einer ständig in Bewegung befindlichen Mikrokosmoswelt, deren großes Ganzes erst ganz zum Schluss auf herrlich amüsante Weise enthüllt wird. Trotz allem ist dieser Beitrag gänzlich etwas fürs Auge, inhaltlich unserer Meinung über die volle Distanz hinweg nicht ganz so fesselnd.

La Calma | The Calm | Die Stille von Fernando Vílchez Rodríguez aus Peru

Dies ist ein eindrucksvolles Beispiel für einen Film, der als rein fiktive Umsetzung wohl niemals annähernd so gut funktioniert hätte. Der Protagonist reflektiert seine Erinnerungen an ein schreckliches Erdbeben, das sein ganzes Dorf zerstört und ihn nur mit viel Glück unter den Trümmern eines Hauses hat überleben lassen. Wir sehen Szenen aus dem Alltag seiner wortwörtlich zerbrochenen Heimat, übergangslos verschwommen mit offenbar realem Footage der Katastrophennacht. Wir sehen einen verwesenden Wal am Strand, den unter Dreck und Schutt verschütteten Protagonisten, den Versuch des Wiederaufbaus... viele authentische Eindrücke, welche im Wechsel die Gefühle der betrachteten Person wie einen Einblick in seine unmittelbare Gedankenwelt erscheinen lassen. Ein Film, dessen traurige Realität mit jeder Einstellung mehr Wirkung entfaltet, ohne aber aufs grässlichste zu bedrücken. Der Protagonist scheint nicht um Mitgefühl jammern zu wollen. Er möchte die ihm von Touristen so oft gestellt Frage "Wie er sich nach all dem Geschehenen fühle" auf eine Art und Weise beantworten, die Worte nicht ausdrücken könnten. Nach diesem Film versteht man, so ging es uns jedenfalls, warum eine solche Frage an sich gänzlich überflüssig ist.

Pera Berbangê | Arpeggio Ante Lucem | Arpeggio Ante Lucem von Arin Inan Arslan aus der Türkei

Vielleicht war es ein Stück weit der Müdigkeit zu später Stunde, zu großem Teil aber bestimmt auch des langsamen Erzähltempos dieses Beitrags geschuldet, dass er unsere Aufmerksamkeit nicht stark genug aufrecht erhalten konnte, um ihn hier gebührend besprechen zu können. Sowohl Lucien als auch ich selbst haben nach einigen Minuten komplett den Faden verloren und unsere Gedanken woanders hinschweifen lassen als auf die Leinwand. In der offiziellen Beschreibung der Berlinale-Website heißt es über den Inhalt: "Ein Dorf ist evakuiert und seine Bewohner an den Rand der großen Stadt umgesiedelt worden. Biskov verkauft mit seinem jüngeren Bruder Tauben auf dem Marktplatz an die Gläubigen. Die Tauben werden freigelassen. Später sammelt Biskov die Tauben wieder ein und trägt sie zurück nach Hause. Was ist Freiheit und bei wem liegt die Entscheidung für ein freies Leben?" - Am besten ihr geht selber zu den kommenden Screenings und bildet euch ein eigenes Urteil, was wir euch allgemein natürlich für jeden Block der Shorts ans Herz legen möchten!

Alle Programmzeiten der Berlinale Shorts 2011 findet ihr unter diesem Link hier. Ihr habt selber bereits einen Block oder sogar alle Filme des Angebots gesehen? Wir freuen uns auch über eure Kritiken und Meinungen, die ihr unten in den Comments hinterlassen könnt!

Ein Thema, das bei uns 2011 mehr Beachtung findet als je zuvor, ist etwas mehr Publicity für Short Talks. Nicht zuletzt dafür ist ja auch dieses Blog entstanden. Wir sind im vierten Jahr an einem Punkt angekommen, unsere Vision dieser Improvisationsdoku in bester Qualität fürs Online-Broadcasting mit einer gewissen Routine umsetzen zu können. Nun bleibt uns endlich etwas Zeit zwischendrin, die Welt auf unsere Arbeit aufmerksam zu machen und den intimen Blick auf die Kurzfilmsektion der Filmfestspiele auf größerer Bühne vorstellen zu können. Unsere Bemühungen scheinen so weit Früchte zu tragen, was sich nicht zuletzt darin geäußert hat, dass wir inzwischen selber Interview-Anfragen bezüglich unserer Begeisterung für die Shorts erhalten. Zudem haben wir mit einem Bericht im Filmbereich des Entertainment-Magazins AreaGames auf die Shorts aufmerksam machen können. Ihr habt Ideen oder Anfragen, die uns weiter dabei helfen könnten, Short Talks unters Volk zu bringen. Meldet euch gerne, wir würden uns freuen!